Olivgrün steht uns gut
Wir Menschen lieben Merch. Artikel, die eine Verbindung zu einer Erinnerung herstellen, Dinge, die man gerne hat und doch selten braucht, meist aus Kunststoff, schnell und billig in großen Mengen herstellbar. Es macht einen direkt zum Fan.
Auch uns ist es so ergangen: Ein wasserfester Rucksack, inklusive Flasche, Cappy, Pflastern und Notizbüchlein, alles einheitlich in der Corporate Identity des österreichischen Bundesheeres gebrandet. Im ersten Moment waren wir: Fans.
Seit dem 24. August sind wir als Stipendiat und Stipendiatin des Club Alpbach Südtirol Alto Adige (CASA) Teil des European Forum Alpbach 2026 und dürfen Seminare aus verschiedensten Fachbereichen miterleben. Eines davon: „OPCON: An Outdoor Based Leadership Seminar“, ausgerichtet von Leutnants der Theresianischen Militärakademie, das unsere Führungsqualitäten wecken und fördern soll. Der Rucksack war Teil der Ausstattung dafür.
Doch je länger wir das Cappy in der Hand halten, desto mehr stellt sich die Frage, was es eigentlich bedeutet, es zu tragen. Denn Abzeichen, Uniform, Korpsgeist sind beim Bundesheer kein Marketing, das gehört zur Funktionsweise. Sicherheit ist die grundlegendste Aufgabe eines Staates, ohne eine solche Institution unvorstellbar. Noch melden sich Leute in Österreich dafür freiwillig, im Notfall in den Krieg zu ziehen, damit es andere nicht müssen. Melden sich zu wenige, bleibt dem Staat nur die Wehrpflicht, ein schrecklicher Gedanke. Genau deshalb muss der Respekt vor diesen Menschen weit größer sein, als er es in der Bevölkerung derzeit oft ist.
Freundinnen und Freunde haben uns dafür kritisiert, ein Seminar mit dem Heer zu machen, jede Verbindung dazu sei schon bedenklich. Verständlich, in den Krieg ziehen wollen wir um keinen Preis, an der Front stehen und auf andere Menschen schießen ist für uns undenkbar. Wir sind froh, dass das nicht unsere Aufgaben sind.
Ein Heer funktioniert aber nur, wenn man sich wirklich damit identifiziert. Und genau das lässt sich mit ein paar Nachmittagen draußen in der Natur in Alpbach nicht herstellen. Wir wollen, dass es diese Menschen gibt, die sich so einer Institution verschreiben. Nur bringen wir selbst dafür die nötige Verbundenheit nicht auf, und sie lässt sich auch nicht überstreifen wie die coole, wetterfeste Funktionsjacke, die wir an regnerischen Tagen tragen dürfen und die uns trocken hält. Begeistert sind wir von der mit Geschenken gespickten Erfahrung, fühlen uns aber komisch, wenn wir die Sachen außerhalb davon tragen und verwenden.
Deshalb werden die mit Bundesheer-Logo verzierten Artikel im Rucksack bleiben, für uns ist das Militär ein schwieriges Pflaster, wir können und wollen nicht wirklich dazugehören.
Aber wenn wir uns die Tage zwischendurch im Spiegel schauen, merken wir: Das Olivgrün steht uns irgendwie gut.



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